Sozialtraining

Zugrundeliegende Problematik

Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen fällt es schwer, mit alltäglichen sozialen Situationen umzugehen. Es gelingt ihnen oft nicht, die Gefühle und Verhaltensweisen anderer Menschen zu verstehen, deren Gesichtsausdruck richtig zu deuten oder Körpersprache korrekt einzuordnen. Das Beginnen und Aufrechterhalten einer Konversation, also etwa der passende Zeitpunkt der Gesprächsaufnahme, das Halten von Blickkontakt, die Themenwahl oder der Einsatz von Gestik und Mimik stellt für sie eine große Herausforderung dar.
Als selbstverständlich geltende Regeln des sozialen Umgangs sind ihnen meist nicht bewusst oder sie können diese nicht adäquat anwenden.
Personen mit Autismus-Spektrum-Störungen werden von anderen Menschen daher oft als seltsam oder gefühlskalt empfunden. Sie geraten schnell in Außenseiterpositionen und fühlen sich nicht verstanden.

Zielsetzung

Es ist wichtig, autistischen Menschen die Voraussetzungen zu vermitteln, sich möglichst gut in die Gesellschaft zu integrieren und sich im alltäglichen Leben mit all seinen Facetten zurechtzufinden. Umgangsformen, die üblicherweise im Laufe der Entwicklung eines Menschen ,,von selbst“ angenommen werden, müssen von autistischen Personen erst mühsam erlernt werden. So bedürfen sie eines speziellen Trainings, um ihre soziale Intelligenz zu fördern, zusätzlich zu sonstigen therapeutischen Maßnahmen.

Bei der Zielsetzung des Sozialtrainings gibt es folgende Schwerpunkte:

  • Stärkung des Verständnisses von zwischenmenschlichen Vorgängen
  • Vermittlung von Fähigkeiten, um sich anderen Menschen mitteilen zu können
  • Verbesserung der Konversationsführung
  • Das Beachten von Regeln und Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer
  • Das Zurechtfinden in Alltagssituationen (z.B. Einkaufen, Restaurantbesuch)
  • Steigerung von Eigenständigkeit und Selbstvertrauen
  • Reduzierung von unangemessenem Verhalten
  • Äußeres Erscheinungsbild und Umgang mit dem eigenen Körper

Vorgehensweise

Sozialtraining findet hauptsächlich in Gruppen von etwa fünf Kindern/Jugendlichen statt. Bei der Gruppenbildung wird darauf geachtet, möglichst gleichaltrige, bzw. hinsichtlich des Entwicklungsstandes ähnliche Teilnehmer in einer Gruppe zusammenzuschließen. Das Training wird je nach Gruppenbeschaffenheit von einem bis zwei Betreuern/Betreuerinnen geleitet und findet 14-tägig statt. Eine Trainingseinheit dauert zwei Stunden. Der Ablauf des Sozialtrainings ist geprägt von einer zeitlichen Struktur mit teils festen, teils thematisch variierenden Bestandteilen.
Es wird darauf Wert gelegt, die soziale Intelligenz der Teilnehmer angemessen zu fordern. Einen Schwerpunkt stellen praktische Übungen dar. Diese tragen dazu bei, die schon bestehenden Anforderungen des alltäglichen Lebens aufzugreifen und problematische Situationen besser zu meistern. Aber auch theoretische, dem Kind bisher unbekannte Inhalte, werden behandelt. Es ist zudem von großer Bedeutung, aus konkreten Beispielen allgemeingültige Lösungen zu erarbeiten.
Erlerntes soll zudem von den Teilnehmern schriftlich festgehalten werden, um immer wieder auf die Informationen zurückzugreifen zu können. Ebenso ist es essentiell, die nächsten Bezugspersonen der Betroffenen (im Regelfall die Eltern) mit einzubeziehen, die bei der Vermittlung und Anwendung der Inhalte im heimischen Umfeld unterstützend wirken.