„BILDER IM KOPF“

„BILDER IM KOPF“

Samstag, der 10. November, 11.00 Uhr: Unter Stimmengewirr strömen immer mehr Menschen in den Empfangsraum. Eine Klingel ertönt. Nach und nach wird es mucksmäuschenstill. Ullrich Zimmermann, Leiter des AutismusZentrums, ergreift das Wort. Nach freudiger Begrüßung aller Anwesenden erklärt er, wie im AutismusZentrum Bruchsal gearbeitet wird.

Auch die beiden Künstler werden durch das AutismusZentrum Bruchsal betreut. Die Künstler – das sind Erik Liebel (11) und Tabita Kretzek (14).

„Die beiden haben beim Malen ganz unterschiedliche Herangehensweisen und doch eine große Gemeinsamkeit: Sie benutzen keine Vorlagen.“, weiß Katharina Wagner, die Mitarbeiterin im AutismusZentrum und nebenbei Künstlerin ist. Es genüge ihnen, visuelle Eindrücke abzuspeichern, um diese auf Papier zu bringen.Auch die Motive sind verschieden. Erik interessiert sich für Natur und malt daher Tiere, Pflanzen, Menschen aber auch Kulturgüter wie beispielsweise Schiffe. Er besitzt die Gabe, „Filme“ im Kopf aufzunehmen, immer wieder ablaufen zu lassen und dann ein Standbild abzuzeichnen. Dabei bindet er eigene Ideen ein. Durch diese Kombination und Neuzusammenfügung entsteht eine an Surrealismus erinnernde Kunst.Während Erik ab und zu mithilfe eines Computerprogramms malt, benutzt Tabita ausschließlich Stift und Papier. Ihr Hobby – das Lesen – spiegelt sich auch in ihren Zeichnungen wider. Sie malt gerne Figuren aus Mythen, Sagen und biblischen Texten. Die Kleidung der Figuren ist sehr detailgetreu gezeichnet und auch die Waffen sind oft aus mehreren Blickwinkeln dargestellt. Sogar eine von ihr gezeichnete Landkarte mit dazugehöriger Legende ist in den Räumlichkeiten des AutismusZentrums ausgestellt.Die anwesende Oberbürgermeisterin von Bruchsal, Cornelia Petzold-Schick, lobte das AutismusZentrum als gutes Beispiel für „Räume im doppelten Sinn“. Die Räumlichkeiten ermöglichten Therapie aber auch das soziale Zusammensein von Menschen und würden dadurch lebenstüchtiger machen.

Mit etwa 200 Interessenten, die bei der Eröffnung anwesend waren, hat die Ausstellung großen Zuspruch erhalten. Die meisten Bilder wurden verkauft. Vielleicht, weil manch einer denken mag, dass nur wenige und ganz besondere Menschen „Bilder im Kopf“ haben. Doch dem ist nicht so.

Faszinierend sei, dass jeder von uns Bilder im Kopf hätte, findet Regierungsvizepräsidentin Gabriela Mühlstädt-Grimm. „Nur sind wir nicht alle in der Lage, sie auf Papier zu bringen.“

Maike Vocke